Das Partizip II im Passiv

Das Partizip II hat in der deutschen Grammatik eine sehr zentrale Bedeutung. Wir verwenden es nicht nur für die Bildung von drei Zeiten im Aktiv, sondern wir brauchen es auch oft, wenn wir Zeiten im Passiv bilden müssen.

Dieser Artikel informiert euch über die Möglichkeiten, das Partizip II im Passiv zu verwenden.

Wie wird das Partizip II gebildet?

Das Partizip II besteht normalerweise aus dem Präfix “ge-“, dem Verbstamm und einer Endung, die für jede Person gleich ist.

Bei regelmäßigen Verben ist der Verbstamm gleich dem Verbstamm des Infinitivs und das Partizip II hat die Endung -t oder -et (bei Verben mit dem Stammendung –d, -t, -mn, -gn und anderen), wie in diesen beiden Beispielsätzen …

Ich habe Spaghetti gekocht.

Gestern hat es den ganzen Tag geregnet.

Bei unregelmäßigen Verben ist der Verbstamm im Partizip II meistens nicht gleich dem Verbstamm des Infinitivs und ihr müsst die Endung -en an das Partizip II anhängen, wie hier …

Du bist letzten Sonntag lange spazieren gegangen.

Wir haben das Spiel mit 3:0 gewonnen.

Das Präfix “ge-“ steht bei trennbaren Verben zwischen dem Präfix des trennbaren Verbs und dem Hauptverb, was ihr in diesen Beispielen gut sehen könnt …

Wann hast du unsere Tochter von der Schule abgeholt?

Ich habe dich vor einer Stunde angerufen.

Bei untrennbaren Verben und bei Verben, die auf -ieren enden, steht das Präfix “ge-“ nie, wie ihr das hier sehen könnt …

Stefan hat das Dokument nicht kopiert.

Marlene hat den Termin beim Arzt vergessen.

 

Das Partizip II im Passiv (einfache Zeiten)

Außer für die Bildung von drei Zeiten im Aktiv brauchen wir das Partizip II immer, wenn wir Zeiten im Passiv bilden wollen. Wir bilden das Passiv mit dem Partizip II bei den einfachen Zeiten, dem Präsens und dem Präteritum. Hierzu einige Beispiele …

Das Haus wird in dieser Straße gebaut.

Das Haus wurde in dieser Straße gebaut.

 

Mit Grammatik in Bildern lernen …

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Das Partizip II im Passiv (zusammengesetzte Zeiten)

Wir verwenden das Partizip II auch für die zusammengesetzten Zeiten der Vergangenheit, das Perfekt und das Plusquamperfekt, wie ihr es in diesen Beispielen sehen könnt …

Das Haus ist in dieser Straße gebaut worden.

Das Haus war in dieser Straße gebaut worden.

Da das Perfekt und das Plusquamperfekt zusamengesetzte Zeiten der Vergangenheit sind, braucht ihr auch das Verb WERDEN im Partizip II. Dieses Partizip II von WERDEN ist jedoch im Passiv nur “worden“.

Im Passiv nehmt bitte nie die Form “geworden”. denn “geworden” dürft ihr nur als Partizip II für WERDEN im Aktiv verwenden.

 

Das Partizip II findet ihr auch in den Zeiten des Futurs im Passiv. Das Verb WERDEN wird dabei im Infinitiv verwendet. Für die Verwendung des Partizips II in den Passivzeiten des Futur helfen euch folgende Beispiele …

Das Haus wird in dieser Straße gebaut werden.

Das Haus wird in dieser Straße gebaut worden sein.

Das Partizip II in Passivsätzen mit Modalverben

Wenn ihr Sätze im Passiv mit Modalverben verwendet, setzt ihr das Verb WERDEN in die Infinitivform, wie in diesen Beispielen …

Das Haus kann in dieser Straße gebaut werden.

Das Haus konnte in dieser Straße gebaut werden.

Das Haus hat in dieser Straße gebaut werden können.

Das Partizip II in Passivätzen mit dem Konjunktiv II

Wenn ihr Passivsätze manchmal auch im Konjunktiv II ausdrücken müsst, ist das gar nicht so schwer. Statt des Verbs WERDEN nehmt ihr einfach die passende Form von WÜRDE, wie in diesen Beispielsätzen im Präsens und im Futur I

Das Haus würde in dieser Straße gebaut.

Das Haus würde in dieser Straße gebaut werden.

Das funktioniert auch im Konjunktiv II der Vergangenheit, wo man statt WÜRDE die Form WÄRE gebrauchen muss …

Das Haus wäre in dieser Straße gebaut worden.

Ihr könnt sehen, dass es für die Bildung des Passivs sehr wichtig ist, das Partizip II GUT zu lernen. In einem anderen Beitrag findet ihr Tipps, wie ihr das Partizip II lernen könnt.

 

Das Partizip II in Passivätzen mit dem Konjunktiv I

Die indirekte Rede, für die wir häufig den Konjunktiv I brauchen, kann natürlich ebenfalls im Passiv stehen. Dafür müsst ihr nur das Verb WERDEN in den Konjunktiv I setzen.

Dabei kann es natürlich vorkommen, dass sich die Form im Indikativ und im Konjunktiv I gleichen. In diesem Fall müsst ihr den Konjunktiv II für die passende Person nehmen.

Für den Konjunktiv I Präsens im Passiv seht ihr im Folgenden zwei Beispiele …

Der Mechaniker sagte, das Auto des Kunden werde in den kommenden Tagen repariert.

Die beiden Jungen sagen, sie würden in einer Stunde von ihren Eltern abgeholt.

Das zweite Beispiel zeigt, dass ihr beim Konjunktiv I den Konjunktiv II als “Ersatzform” nehmen müsst, wenn die Form des Konjunktivs I und des Indikativs identisch sind. In unserem Beispiel kann man nicht klar sehen, ob “werden” im Indikativ oder im Konjunktiv I steht. Deshalb müsst ihr hier “würden” nehmen, also die Form des Konjunktivs II.

Auch für den Konjunktiv I der Vergangenheit sind selbstverständlich Passivsätze möglich. Dafür müsst ihr – ähnlich wie beim Konjunktiv II der Vergangenheit – das Verb SEIN und “worden” verwenden. Das Verb SEIN müsst ihr dann in die passende Personalform des Konjunktivs I setzen, wie in diesen Beispielen …

Ihr Chef sagt, dass er nicht gut informiert worden sei.

Herr Meyer sagt, dass die Getränke am Vortag geliefert worden seien.

Da sich alle Personalformen des Verbs SEIN im Konjunktiv I vom Indikativ unterscheiden, besteht nicht die Gefahr sie zu verwechseln. Deshalb ist für den Konjunktiv I der Vergangenheit nie eine Ersatzform nötig.

Wie in den anderen Formen das Passivs braucht ihr auch für den Konjunktiv I das Partizip II, in der Vergangenheitsform kommt aber noch “worden” als weiteres Partizip II dazu.

 

Das Partizip II im Zustandspassiv

Normalerweie habt ihr mit dem sogenannten Vorgangspassiv zu tun. Wie ihr gesehen habt, müsst ihr dieses Passiv mit WERDEN und dem Partizip II des Verbs bilden. Deshalb wird das Vorgangspassiv manchmal auch das “werden-Passiv” genannt.

Es gibt jedoch auch das Zustandspassiv, das sogenannte “sein-Passiv“. Dieses Passiv besteht aus einer Form von SEIN in der gewünschten Zeitform und auch dem Partizip II. Diese Art des Passivs braucht ihr vor allem, wenn ihr über abgeschlossene Prozesse sprechen wollt, ohne den Agierenden zu nennen. Zwei Beispiele dafür zeigen euch die Verwendung des Zustandspassivs

Das Haus ist gebaut.

Das Haus war gebaut.

Diese Beispielsätze stehen im Zustandspassiv, einmal im Präsens und einmal im Präteritum. Dies seht ihr an der Konjugation des Verbs SEIN, nämlich im Präsens und im Präteritum. Das Partizip II wird dabei genauso verwendet wie beim Vorgangspassiv.

Ein Blick auf die anderen beiden Zeitformen der Vergangenheit zeigt euch, dass beim Zustandspassiv zweimal das Partizip II steht, wie in diesen Beispielsätzen …

Das Haus ist gebaut gewesen.

Das Haus war gebaut gewesen.

Eine Form des Partizips II ist die Form, die mit dem Verb “bauen” gebildet wird, das ins Zustandspassiv gesetzt wird. Die andere Form des Partizips II ist “gewesen“, denn dieses Partizip II braucht ihr für die Bildung des Perfekts und des Plusquamperfekts von SEIN.

Auch für das sehr seltene Futur II im Zustandspassiv werden zwei Partizip-II-Formen benötigt. Dafür seht ihr zunächst ein Beispiel …

Das Haus wird gebaut gewesen sein.

Ihr seht hier das Futur II des Verbs SEIN. Dafür braucht ihr das Partizip II von SEIN. Dazu kommt natürlich noch das Partizip II des Verbs “bauen“. 

Dagegen ist beim Futur I des Zustandspassivs nur das Partizip II des Verbs erforderlich, wie hier …

Das Haus wird gebaut sein.

… denn das Futur I von SEIN ist “wird … sein“.

In einem anderen Artikel lernt ihr mehr über das Zustandspassiv.

 

Wo steht das Partizip II in Passivsätzen?

Die genaue Stellung der Partizipien in Passivsätzen hängt von zwei Faktoren ab. Einerseits ist die Zeitform relevant, andererseits spielt es auch eine Rolle, ob der Passivsatz ein Hauptsatz oder ein Nebensatz ist. Dagegen ist es weniger wichtig, ob es sich um einen Satz im Vorgangspassiv (“werden-Passiv”) handelt oder um einen Satz im Zustandspassiv (“sein-Passiv).

 

Das Passiv in Hauptsätzen

Grundsätzlich gelten für Hauptsätze im Passiv die gleichen Regeln wie für Aktivsätze. Deshalb steht der konjugierte Teil des Verbs auf Position zwei der Satzglieder und das Partizip II am Ende des Satzes, wie in hier im Passiv Präsens und im Passiv Präteritum

Der Patient wird morgen operiert.

Gestern wurde der Kurs abgesagt.

Bei zusammengesetzten Zeitformen bildet die zusammengesetzte Zeitform des Verbs WERDEN jedoch einen “Rahmen“, sodass es dann in den beiden Vergangenheitszeiten Perfekt und Plusquamperfekt so aussieht …

Der Patient ist gestern operiert worden.

Vor einer Woche war der Kurs abgesagt worden.

… und auch in den beiden Zeiten der Zukunft (Futur I und II) seht ihr diesen “Rahmen” …

Der Patient wird in einer Woche operiert werden.

Der Kurs wird nächstes Jahr öfter abgesagt worden sein.

Ihr könnt sehen, dass das Partizip II des Verbs in diesen Hauptsätzen vor den zweiten Teil der Konjugation von WERDEN zu setzen ist.

Wenn das Passiv mit einem Modalverb steht, steht dieses Modalverb im Präsens und im Präteritum als konjugiertes Verb auf Position II der Satzglieder. Das Verb WERDEN für die Passivform müsst ihr dann hinter das Partizip II platzieren, wie hier …

Der Patient muss sofort operiert werden.

Der Kurs musste leider abgesagt werden.

Wenn der Passivsatz mit Modalverb im Perfekt oder im Plusquamperfekt gebraucht wird, muss das Modalverb in diesen Zeiten konjugiert werden.

Da ihr das Perfekt von Modalverben immer mit dem Hilfsverb HABEN bilden müsst, wird HABEN konjugiert und das Modalverb steht am Ende als Infinitiv. Das Modalverb ist in diesem Fall ein zusammengesetztes Verb, deshalb bildet es einen “Rahmen” wie in diesen Beispielsätzen …

Der Patient hat sofort operiert werden müssen.

Der Kurs hat leider abgesagt werden müssen.

 

Das Passiv in Nebensätzen

Die beiden wichtigsten Regeln für Nebensätze sind, dass das konjugierte Verb am Ende des Satzes steht und sich das Subjekt normalerweise direkt hinter dem Konnektor befindet.

Im Präsens und im Präteritum ist das ganz einfach, denn ihr müsst das konjugierte Verb nur an das Ende des Nebensatzes setzen, so wie hier …

Der Arzt sagt, dass der Patient sofort operiert wird.

Der Direktor teilte uns mit, dass der Kurs abgesagt wurde.

In diesen beiden Sätzen steht das Partizip II des Verbs, das im Passiv gebraucht wird, vor dem konjugierten Verb.

Wenn ihr das Passiv in einer zusammengesetzten Zeit im Nebensatz verwenden wollt, müsst ihr das konjugierte Hilfsverb an das Ende des Nebensatzes setzen, wie in diesen Beispielsätzen im Perfekt und im Plusquamperfekt …

Der Arzt sagt, dass der Patient sofort operiert worden ist.

Der Direktor teilte mit, dass der Kurs schon letztes Jahr abgesagt worden war.

In den beiden Sätzen steht das Partizip II des Verbs vor “worden” und dem konjugierten Hilfsverb (“ist” / “war“) der zusammengesetzten Vergangenheitszeit von WERDEN.

Für die beiden Zeiten des Futurs, sehen die beiden Beispiele folgendermaßen aus …

Der Arzt sagt, das der Patient in einer Woche operiert werden wird.

Der Direktor teilt uns mit, dass der Kurs nächstes Jahr öfter abgesagt worden sein wird.

Auch bei den Zukunftszeiten müsst ihr das Partizip II des Verbs vor die konjugierten Zeitformen von WERDEN setzen. Der konjugierte Teil davon steht wieder am Ende des Nebensatzes.

 

Die Ausnahme: Modalverben im Perfekt

Anders ist die Reihenfolge im Aktiv wie im Passiv bei Modalverben im Perfekt oder im Plusquamperfekt, wenn diese Modalverben mit einem anderen Verb im Infinitiv stehen. In diesem Fall sieht der Satz beispielsweise so aus …

Der Arzt hat gesagt, dass der Patient gestern hat operiert werden müssen.

Der Direktor teilte uns mit, dass der Kurs letztes Jahr schon hatte abgesagt werden müssen.

In den Beispielen könnt ihr erkennen, dass das Modalverb im Infinitiv am Ende des Nebensatzes steht. Dagegen müsst ihr das konjugierte Hilfsverb hat” vor das Partizip II und vor die beiden Infinitive setzen.

 


 

 

 

 

 

 

 

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2 Gedanken zu „Das Partizip II im Passiv“

  1. Hallo Deutsch Coach…

    Danke, dass Sie diese Artikel über das Passiv geschrieben haben. Sie machen es leichter zu verstehen. Bei Ihrem Beispiel für das modale Passiv Präterium, muss das Modalverb noch einmal wiederholt werden?:

    Das Haus konnte in dieser Straße gebaut werden können.

    Danke, dass Sie das angeschaut haben

    1. Hallo, Emilia,
      vielen Dank für den Hinweis. Ich habe den Satz korrigiert. Er lautet jetzt:
      Das Haus konnte in dieser Straße gebaut werden.

      Viele Grüße
      Deutsch-Coach

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