Nominativ, Akkusativ, Dativ und Genitiv – die vier Fälle

Wie ihr sicher wisst, hat die deutsche Sprache vier Fälle (Kasus), den Nominativ, den Akkusativ, den Dativ und den Genitiv.

Es ist notwendig, diese vier Fälle zu kennen, weil ihr Nomen, Pronomen, Adjektive und Artikel im korrekten Fall deklinieren müsst. Aber den richtigen Fall / Kasus zu verwenden, müsst ihr wissen, welche Funktion diese Wörter im Satz haben.

Deshalb lernt ihr in diesem Beitrag etwas über die vier Fälle / Kasus. Wir verwenden die vier Fälle nach Verben oder nach Präpositionen.

In diesem Beitrag geht es um die vier Fälle nach Verben, denn die meisten Verben haben einen oder mehrere Fälle. Die Präpositionen und ihre Fälle lernt ihr in anderen Beiträgen kennen,

 

Der Nominativ

Der Nominativ ist die Grundform der deutschen Nomen. Alle Nomen, die ihr im Wörterbuch sucht, stehen im Nominativ.

Dieser “erste Fall” steht für das Subjekt im Satz. Das Subjekt ist der Akteur, der etwas macht. Deshalb müsst ihr das Verb immer nach der Person des Subjekts konjugieren, wie in diesen Beispielen …

Ich gehe ins Theater.

Er fährt mit dem Auto.

Ihr seht in den Beispielen, dass das Subjekt die Konjugation des Verbs bestimmt. Im ersten Beispiel steht das Subjekt in der ersten Person Singular, also müsst ihr auch das Verb in der ersten Person Singular konjugieren. Im zweiten Beispiel ist das Subjekt die dritte Person Singular, also muss auch das Verb in der dritten Person Singular stehen.


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Wir fragen nach dem Nominativ / Subjekt mit den Fragewörtern WER (für Personen) oder WAS (für Sachen). Deshalb nennen wir den Nominativ auch den „Werfall“. Hier seht ihr ein Beispiel für den Nominativ und wie man nach diesem Fall fragt …

Der Schüler liest ein Buch.

Wer liest das Buch? – Der Schüler.

(Hier fragen wir mit dem Fragewort WER nach dem Subjekt / Nominativ, das eine Person ist.)

Die Tasche kostet 30 €.

Was kostet 30 €? – Die Tasche.

(In diesem Beispiel fragen wir mit dem Fragewort WAS nach dem Subjekt / Nominativ, das eine Sache ist.)

WICHTIG !!! Die Verben SEIN, WERDEN, BLEIBEN stehen immer mit dem Nominativ, wie in diesen Beispielen:

Er ist ein guter Lehrer.

Er wird sicher ein guter Koch.

Er bleibt ein guter Freund.

 

Der Akkusativ

Der Akkusativ ist das direkte Objekt (Person oder Sache) im Satz. Das Subjekt macht etwas mit diesem Objekt, das bedeutet, das Akkusativobjekt ist das Ziel der Handlung / Aktion des Subjekts. Den Akkusativ ist also die Person oder Sache, an die sich die Aktion des Subjekts wendet.

Wir nennen den Akkusativ auch den “Wenfall”, weil wir mit WEN nach Personen im Akkusativ fragen. Wenn wir nach Sachen fragen, verwenden wir das Fragewort WAS, wie hier …

Ich küsse meine Frau.

Wen küsst du? – Meine Frau.

(Hier fragen wir mit WEN nach einer Person, die ein direktes Objekt (Akkusativobjekt) ist.)

Ich kaufe einen Computer.

Was kaufst du? – Einen Computer.

(Hier fragen wir mit WAS nach einer Person, die ein direktes Objekt (Akkusativ) ist.)

 

Der Dativ

Das Dativobjekt ist das indirekte Objekt im Satz und es hat meistens die Funktion des Empfängers (receiver) der Aktion/Handlung des Subjekts. Man kann sagen, dass das Subjekt etwas für das Dativobjekt (meistens Personen) macht.

Nach dem Dativ fragen wir mit WEM. Deshalb nennen wir diesen Fall / Kasus auch den “Wemfall”. Auch hierfür ein Beispiel …

Das Auto gehört meiner Mutter.

Wem gehört das Auto? – Meiner Mutter.

(Hier fragen wir mit WEM nach einer Person, die ein indirektes Objekt (Dativobjekt) ist.)

Dem Tisch fehlt ein Bein.

Wem fehlt ein Bein? – Dem Tisch.

(Hier fragen wir auch mit WEM nach einer Sache, die ein indirektes Objekt (Dativobjekt) ist.)

Verben mit dem Dativ

In vielen Situationen findet ihr im Satz ein Subjekt, ein Akkusativobjekt und ein Dativobjekt. Dann “transferiert” das Subjekt ein Akkusativobjekt an das Dativobjekt. Mehr lernt ihr darüber in diesem Beitrag.

WICHTIG!!!

Alle Substantive haben  die Endung –N im Dativ Plural …

der Schüler → den Schülern

Zwei wichtige Ausnahmen sind Substantive, die im Plural schon ein -N am Ende haben oder auf -S enden …

die Frau → den Frauen

das Büro → den Büros

 

Der Genitiv

Mit dem Genitivobjekt erklären wir oft, wer oder was eine Person / Objekt besitzt oder zu wem eine Person / ein Objekt gehört. Der Genitiv kann auch aussagen, woher eine Person oder eine Sache kommt.

Nach dem Genitiv, dem “Wessenfall”, fragen wir mit dem Fragewort WESSEN, wie in diesen Beispielen …

Das Auto meines Bruders ist kaputt.

Wessen Auto ist kaputt? – Das Auto meines Bruders.

(Hier fragen wir mit WESSEN nach einer Person, die im Genitiv steht.)

Das Bein des Tisches ist kaputt.

Wessen Bein ist kaputt? – Das Bein des Tisches.

(Hier fragen wir mit WESSEN nach einer Sache, die im Genitiv steht.)

Verben mit Genitiv

WICHTIG!!!

Nomen, die maskulin oder neutral im Genitiv sind, bekommen die Endungen -S oder -ES.

  • Nomen, die auf s, ß, x, tsch oder z bekommen die Endung -ES:

der Platz => des Platzes

  • Einsilbige Nomen bekommen normalerweise die Endung –ES:

der Mann => des Mannes

(Nur -S ist oft auch möglich, aber -ES klingt meistens besser).

  • Mehrsilbige Nomen haben ein -s, wenn das letzte Wort nicht aus einer Silbe besteht.

der Esslöffel – des Esslöffels

 

 

 

Verben mit Nominativergänzung

Habt ihr gewusst, dass einige sehr wichtige Verben mit zwei Nominativen stehen müssen?

In meinem Unterricht höre ich manchmal einen Satz wie diesen …

Der Mann ist einen Informatiker.

Aber das ist falsch, denn nach dem Verb ‘sein’ (als Vollverb) steht NIE ein Akkusativobjekt !!!

Richtig müsste der Satz sein …

Der Mann ist ein Informatiker.

Der Satzteil “ein Informatiker” ist Nominativ. Ihr seht also zwei Nominative in diesem Satz.

Warum ist das so?

Das Verb ‘sein‘ steht wie alle Verben mit einem Subjekt. Dieses Subjekt steht im Nominativ. In dem Beispielsatz von oben ist das Subjekt “der Mann“.

Aber es gibt noch einen zweiten Nominativ: “ein Informatiker“. Diesen Nominativ nennen wir den Gleichsetzungsnominativ, denn wir können sagen …

Mein Vater = ein Informatiker.

Es funktionert wie in einer mathematischen Gleichung.

Beide Satzteile, “der Mann” und “ein Informatiker”, stehen im Nominativ, denn “ein Informatiker” beschreibt / charakterisiert das Subjekt “der Mann” genauer.  Der Satzteil “ein Informatiker” ist folglich kein Objekt, mit dem das Subjekt etwas macht, sondern eine Nominativergänzung.

Wichtig ist, dass ihr diese Regel nur verwenden könnt, wenn das Verb ‘sein‘ als VOLLVERB gebraucht wird. Es muss also seine eigene Bedeutung haben.

Mit ‘sein‘ als Hilfsverb (zum Beispiel im Perfekt) funktioniert diese Regel normalerweise nicht.

 

Andere Verben mit zwei Nominativen

Ähnlich wie oben erklärt ist das bei den Verben ‘werden‘, ‘bleiben‘ und ‘heißen‘. Auch diese Verben setzen eigentlich nur zwei Subjekte, indem sie zwei Nomen verbinden, wie in diesen Beispielen …

Mein großer Bruder wird ein guter Architekt.

(Auch das Verb ‘werden’ steht nur als Vollverb mit zwei Nominativen.)

Der FC Bayern München bleibt der Erste der Bundesliga.

Der Name des Buches lautet “Das Spiel mit dem Feuer”.

Die Frau heißt Karin Mustermann.

Das Gleichsetzungsnomen steht im letzten Beispiel ohne Artikel. Deshalb kann man den Fall nicht so gut erkennen. Aber Karin Mustermann ist hier Nominativ, weil der Name (Karin Mustermann) den ersten Nominativ “die Frau” beschreibt, aber kein Objekt ist. Auch bei dem Verb ‘lauten‘ ist nicht immer sofort zu sehen, dass es mit einem zweiten Nominativ steht, aber es muss immer mit einem zweiten Nominativ stehen, weil auch diesem Verb kein Objekt folgt.

Wenn wir das Verb ‘heißen‘ aber im Sinn von ‘nennen‘ gebrauchen, erkennt ihr eine Ausname. In diesem Fall steht es mit zwei Akkusativobjekten. Seht euch dazu bitte diesen Satz an …

Der Mann heißt den Politiker einen Idioten.

Hinter dem Verb ‘heißen‘ könnt ihr zwei Akkusativobjekte sehen. Dieser Satz funktioniert genauso wie …

Der Mann nennt den Politiker einen Idioten.

Auch ‘nennen‘ steht immer mit zwei Akkusativobjekten.

 


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5 Gedanken zu „Nominativ, Akkusativ, Dativ und Genitiv – die vier Fälle“

  1. Hallo,
    wie kann ich denn einem Grundschulkind erklären, dass das Genitivobjekt nicht zu dem Subjekt gehört? z.B.:

    Das Buch von Frau Müller ist schön. Wer oder was ist schön? -> das Buch von Frau Müller
    Das Haus am See steht leer. Wer oder was steht leer?
    -> das Haus am See

    Bisher hat besagtes Kind nur Subjekt und Prädikat kennengelernt und ich kann das Subjekt auch nicht bestreiten. Mit der Umstellprobe bleiben die Wörter “das Buch von Frau Müller” auch zsm – in der GS wurde vermittelt, dass dies also ein Satzglied sei.
    Haben Sie eine Lösung für uns?
    Besten Dank im Voraus!

    1. Hallo,
      das Problem ist, dass es kein “richtiges Genitivobjekt” ist, denn es steht NICHT NACH EINEM VERB, DAS DEN GENITIV FORDERT. Ich würde (von Frau Müller) eher ein Attribut nennen, das das Subjekt näher beschreibt. Es ist dann wirklich Teil des Subjekts. Wenn Sie einen Relativsatz daraus machen, könnte er lauten: “Das Buch, das von Frau Müller ist / Frau Müller gehört, …”. Der ganze Relativsatz ist ein Subjektsatz, der das Subjekt (Das Buch) genauer beschreibt.

      Viele Grüße

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