Die N-Deklination (mit Beispielen)

Wie Artikel und Adjektive müsst ihr in der deutschen Sprache auch auch Nomen / Substantive deklinieren. Obwohl sie in den verschiedenen Kasus oft gleich aussehen, haben sie trotzdem eine deklinierte Form.

In der deutschen Sprache müssen wir bestimmte Wortarten (Nomen, Pronomen, Artikel und Adjektive deklinieren. Wir deklinieren diese Wörter, damit man ihren Genus (Maskulinum, Femininum oder Neutrum), ihren Numerus (Singular oder Plural) und ihren Kasus unterscheiden kann.

Wir kennen im Deutschen 4 Kasus (Fälle), in denen wir deklinieren können. Diese sind der Nominativ, der Akkusativ, der Dativ und der Genitiv. Wir brauchen diese unterschiedlichen Kasus, um zu bestimmen, welche Funktion ein Nomen oder ein Pronomen in einem Satz hat. Außerdem gibt es bestimmte Verben und Präpositionen, die nur mit bestimmten Kasus stehen.

Es ist leider nicht so wie in anderen Sprachen, wo man die Deklination manchmal am Wortende der Nomen erkennen kann. Im Deutschen erkennt man den Kasus eines Nomens meistens am Artikel und/oder am Adjektiv, das vor dem Nomen steht. Oder man muss aus dem Kontext des Satzes herausfinden, welche Funktion ein Nomen hat und in welchem Kasus es deshalb steht.

Aber damit sind Deutschlernende nicht allein. Russischlernende müssen sich sogar mit 6 Kasus beschäftigen, wenn sie Wörter deklinieren wollen.

Je nach Genus unterscheiden sich Nomen aber in ihrer Deklination. Beispielsweise bekommen feminine Nomen in ihren Pluralformen ein -n oder ein -en und in einigen Fällen einen Umlaut. Das ist bei maskulinen und neutralen Nomen nicht immer so.

Für viele Deutschlernende ist vor allem die Deklination der maskulinen Nomen eine Herausforderung, denn für sie gibt es zwei unterschiedliche Arten der Deklination.

Ein großer Teil der maskulinen Nomen wird nach der “starken” Deklination dekliniert, einige männliche Nomen deklinieren wir jedoch nach der “schwachen” Deklination, welche auch die “N-Deklination” genannt wird.

In diesem Artikel lernt ihr vor allem die N-Deklination kennen. Ihr bekommt Antworten auf die Fragen:

  • Wie funktioniert die N-Deklination?
  • Wann muss nach den Regeln der N-Deklination dekliniert werden?
  • Welche Ausnahmen, unregelmäßige Formen und Mischformen gibt es bei der N-Deklination?

Was ist der Unterschied zwischen der “starken” und der “schwachen” Deklination?

Wenn ihr den Unterschied zwischen der “starken” und der “schwachenDeklinationen wissen wollt, reicht es fast schon, den Sinn der Wörter “schwach” und “stark” zu kennen, aber es kommt natürlich auf die Details an.

Wenn wir ein Nomen “stark” deklinieren, kommt es zu starken Unterschieden bei seinen einzelnen deklinierten Formen. Das seht ihr bei maskulinen und neutralen Nomen an der Endung -s (oder -es) beim Genitiv im Singular und am -n beim Dativ im Plural.

Auch kommt es manchmal vor, dass einige Nomen in den Pluralformen mit Umlaut stehen, zum Beispiel …

der Sohn – die Söhne

Dagegen werden die maskulinen Nomen bei der “schwachen” Deklination, der sogenannten N-Deklination, nur schwach dekliniert. Es gibt also nur kleinere Unterschiede zwischen den einzelnen deklinieren Formen.

Bei der N-Deklination wird – außer im Nominativ Singular – nur die Endung -n (oder -en) an alle anderen Formen angehängt.

Im Bild könnt ihr erkennen, dass das Wort “Kunde” nur im Nominativ Singular nicht verändert wird. An alle anderen deklinierten Formen müsst ihr die Endung -n anhängen. Genauso bleibt das Wort “Prinz” nur im Nominativ Singular unverändert. Alle anderen Formen bekommen die Endung -en.

Ihr seht also, die N-Deklination ist eigentlich ganz leicht zu bilden. Wenn ein maskulines Nomen im Nominativ Singular auf -e endet, müsst ihr an die Formen im Akkusativ, im Dativ und im Genitiv im Singular und an alle Formen im Plural ein -n anhängen. Wenn das Nomen im Nominativ Singular nicht auf -e endet, braucht ihr für alle anderen Formen (die restlichen Formen im Singular und alle Pluralformen) die Endung -en.

Aber die wirklich interessante Frage ist …

 

Wann braucht man die N-Deklination?

Um die N-Deklination anwenden zu können, muss ein Nomen einige kombinierte Voraussetzungen erfüllen: Das Nomen muss maskulin sein. Das heißt, es muss im Nominativ Singular mit dem Artikel DER stehen. Es gibt aber eine besondere Ausnahme: DAS Herz.

 

Lebewesen, Beruf oder Nationalität im Maskulinum

Wenn es ein maskulines Nomen ist, sollte es auch ein Lebewesen sein. Der Ausdruck “Lebewesen” umfasst vor allem Menschen und Tiere, Berufsbezeichnungen und Nationalitäten.

Neben typischen Lebewesen dieser Gruppe findet ihr aber viele Ausnahmen, die weiter unten genannt werden.

 

Bestimmte Endungen

Die weitere Bedingung für die Verwendung der N-Deklination ist, dass es sich um männliche Nomen mit bestimmten Endungen handelt. Eine der wichtigsten Endungen ist -e.

 

Es gibt aber auch viele relevante Endungen aus dem Griechischen wie …

-ad, -at, -and, -ant, -ent, -et, -ist, -nom, -oge, -oph.

 

Solche Wörter sind beispielsweise Nomen wie …

Doktorand, Praktikant, Student, Optimist, Politologe und Philosoph

Ein denkbarer Satz wäre …

Der Professor spricht mit dem Doktoranden.

 

Bitte lernt diese Endungen gut, denn sie sind wichtige Signale für die Verwendung der N-Deklination!

 

Beispiele für die Verwendung der N-Deklination

Warum und wie ihr einige Nomen nach der N-Deklination dekliniert, lernt ihr mithilfe der folgenden Beispiele. Ihr müsst darauf achten, dass ALLE Bedingungen erfüllt sind, damit ihr die N-Deklination anwenden könnt.

Das bekannteste Nomen der N-Deklination ist vielleicht “der Junge“. Ein Beispielsatz mit diesem Nomen könnte im Akkusativ so aussehen …

Auf dem Spielplatz sehe einen kleinen Jungen.

Ihr wisst sicher, dass “Junge” ein männliches Lebewesen ist. Außerdem steht am Ende des Nomens die Endung -e. Also ist “der Junge” ein typischer Fall für die N-Deklination!

Genauso ist beispielsweise das Tier “Hase” ein Lebewesen im Maskulinum. Dieses Nomen steht ebenfalls mit der Endung -e. Wenn ihr einen Satz mit “Hase” im Nominativ Plural bilden wollt, könnte dieser Satz so aussehen …

Die Hasen im Wald verstecken sich vor den Füchsen.

Das Nomen “Hase” steht mit -n, denn nur im Nominativ Singular steht keine Endung -n. In diesem Beispielsatz ist “die Hasen” jedoch ein Plural im Nominativ.

Ein anderes, leichtes Beispiel ist das Nomen “der Journalist“. Auch dieses Nomen ist ein maskulines Nomen, aber dieses Mal eine männliche Berufsbezeichnung. Außerdem steht es mit der griechischen Endung -ist. Wenn man einen Satz mit dem Wort im Dativ formuliert, ist beispielsweise möglich …

Der Politiker spricht mit dem Journalisten.

Ihr seht, dass die Endung -en an das Nomen “Journalist” angehängt ist, weil Das Wort im Nominativ Singular keine Endung -e hat.

 

Das wirklich Komplizierte an der N-Deklination sind die Ausnahmen, die unregelmäßigen Formen und Mischformen …

 

Die Ausnahmen

Einige Nomen erfüllen nicht die Voraussetzungen für die N-Deklination, gehören aber trotzdem dazu.

Es gibt einerseits einige Nomen, die keine Lebewesen sind, aber nach N-Deklination zu deklinieren sind, zum Beispiel einige technische Ausdrücke, wie diese …

der Automat / der Planet

Nach der N-Deklination wird daraus in den anderen Fällen (Kasus) …

Automaten / Planeten

Ähnlich funktioniert dies bei diesen Nomen:

Diamant, Komet, Satellit, Telegraph

Ihr könnt sehen, dass einige dieser Substantive griechische Endungen haben, was ein Grund dafür sein kann, sie der N-Deklination zuzuordnen.

 

Andererseits fehlen einigen Nomen die typischen Endungen, die für die Anwendung der N-Deklination erforderlich sind. Beispiele dafür sind …

der Mensch / der Bär, der Graf, der Bauer

 

In der Entwicklung einer Sprache über die Jahrhunderte verändern sich einige Wörter von Zeit zu Zeit, so auch einige Nomen.  Viele dieser Nomen endeten früher auf -e, werden aber heutzutage OHNE die Endung -e verwendet.

Das ist der Grund dafür, dass sie heutzutage zu den Ausnahmen gehören, obwohl sie früher ganz normal nach der N-Deklination dekliniert wurden.

 

Mischformen und unregelmäßige Formen

Neben diesen Ausnahmen existieren zahlreiche Mischformen und unregelmäßige Formen:

  • Das Nomen “Herr” steht im Singular im Akkusativ, im Dativ und im Genitiv nur mit der Endung -n. Dagegen müsst ihr an alle Pluralformen ein -en anfügen. Dagegen steht das maskuline Nomen “Nachbar” in allen Formen außer im Nominativ Singular nur mit der Endung -n, obwohl das Wort im Nominativ Singular nicht auf -e endet.

 

  • Einige Nomen bekommen im Genitiv Singular ein zusätzliches -s, werden aber in den anderen Fällen nach der N-Deklination dekliniert. Dazu gehören zum Beispiel das einzige neutrale Nomen “Herz” oder auch maskuline Nomen wie …

der Name, der Wille, der Glaube

Diese Nomen müsst ihr im Genitiv Singular so deklinieren …

des Namens, des Willens, des Glaubens

 

  • Eine andere Variante sind Nomen, die Im Singular nach der “starken” Deklination dekliniert werden, aber im Plural nach den Regeln der N-Deklination funktionieren. Einige Beispiele hierfür sind …

der Professor, der Direktor, der Motor

Die Formen im Genitiv Singular lauten …

des Professors, des Direktors, des Motors

Die Pluralformen müsst ihr jedoch nach der N-Deklination deklinieren …

Professoren, Direktoren, Motoren

 

Achtung bei der Deklination von substantivierten Adjektiven

Wie ihr sicher wisst, kann man aus vielen Adjektiven sehr leicht Substantive machen, indem man sie dekliniert und mit einem Großbuchstaben am Wortanfang schreibt. Das Wort “deutsch” wird durch die Substantivierung zu dem Nomen …

der Deutsche / ein Deutscher

Bei einigen Formen kann man diese substantivierten Adjektive jedoch mit den Formen der N-Deklination verwechseln, wie in diesem Satz …

Ich kenne diesen Deutschen schon seit drei Jahren.

Trotzdem bleibt “Deutsch(e,r,s)” ein substantiviertes Adjektiv, das ihr nach den Regeln der Adjektivdeklination deklinieren müsst. Ihr müsst also klar sehen, ob das Nomen wirklich nach der N-Deklination zu deklinieren ist oder ein substantiviertes Adjektiv ist, dessen Endungen je nach Kasus-Signal vor dem Nomen variieren können.

Ähnliche Nomen, die nach den Regeln der Adjektivdeklination dekliniert werden müssen, sind beispielsweise “der Fremde”, “der Verwandte”, “der Erwachsene”, “der Verlobte”, “der Arbeitslose” und viele mehr.

 

Wie erkennt man den Unterschied zwischen Adjektivdeklination und N-Deklination?

Wenn ihr nicht sicher seid, ob ein Nomen nach der Adjektivdeklination oder nach der N-Deklination zu deklinieren ist, solltet ihr einfach eine Probe mit dem maskulinen Artikel “ein” im Nominativ machen. Wenn man beispielsweise das Nomen “der Fremde” mit dem Artikel “ein” im Nominativ dekliniert, ist das Ergebnis …

ein Fremder

… mit der Endung -er. Das Wort wird also nach den Regeln der Adjektivdeklination dekliniert.

 

Was solltet ihr beim Lernen der N-Deklination beachten?

Ihr habt gesehen, dass die Deklination der Nomen nach den Regeln der N-Deklination eigentlich nicht sehr schwer ist. Man kann bei der Deklination nicht viel falsch machen, wenn man weiß, in welchem Fall / Kasus ein Nomen stehen muss.

Ein größeres Problem könnten die vielen Änderungen, Ausnahmen und Sonderformen sein. Hier hilft euch nur systematisches Lernen der relevanten Endungen und (leider) fleißiges Auswendiglernen der Ausnahmen, der Mischformen und unregelmäßigen Formen.

 

 

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