Was sind reflexive Verben und Reflexivpronomen?

Reflexive Verben kennen wir in vielen Sprachen und auch in der deutschen Sprache gibt es Verben, die mit einem Reflexivpronomen gebildet werden.

Was sind reflexive Verben?

Wenn ein Subjekt etwas macht, das sich auf das Subjekt selbst bezieht, muss das Subjekt auch das Objekt der Aktion sein. Dieses Objekt drücken wir dann mit einem Reflexivpronomen aus. Das Verb, mit dem wir die Handlung ausdrücken, nennen wir ein reflexives Verb.

Die Reflexivpronomen

Die Reflexivpronomen sind in den meisten Fällen identisch mit den Personalpronomen. Aber in der dritten Person Singular (er,sie,es) und in der dritten Person Plural (sie) haben wir das Reflexivpronomen „sich“. Auch für die formelle Höflichkeitsform (Sie) müssen wir das Reflexivpronomen „sich“ verwenden.

Im Vergleich zu anderen Sprachen gibt es im Deutschen aber  die spezielle Situation, dass die Reflexivpronomen entweder im Akkusativ oder im Dativ stehen können.

Das ist in den meisten Fällen kein Problem, weil die meisten Pronomen gleich sind. Nur in der ersten Person Singular (ich) und in der zweiten Person Singular (du) haben wir für Akkusativ und Dativ unterschiedliche Reflexivpronomen.

Reflexivpronomen im Akkusativ oder im Dativ?

Es hängt vom Satz ab, ob wir das Reflexivpronomen im Akkusativ oder im Dativ verwenden müssen.

Es gibt reflexive Verben, die immer ohne ein anderes Objekt stehen, wie in diesem Beispiel …

Ich verspäte mich oft. (ohne Akkusativobjekt)

 

Andere reflexive Verben müssen mit dem Reflexivpronomen und mit einem Akkusativobjekt stehen, damit der Satz einen Sinn hat, wie wir es hier sehen …

Du ziehst dir einen Mantel an. (mit Akkusativobjekt)

 

Einige Verben können mit oder ohne Akkusativobjekt stehen, wie diese Beispiele …

Ich wasche mich jeden Morgen.

Ich wasche mir jeden Morgen die Hände.

 

Wenn wir uns die Beispiele ansehen, finden wir eine ganz einfache Regel:

Immer wenn wir ein Akkusativobjekt im Satz haben, muss das Reflexivpronomen im DATIV stehen.

Wenn wir kein Akkusativobjekt im Satz haben, steht das Reflexivpronomen im AKKUSATIV.

Ein Akkusativ ist nicht immer ein AkkusativOBJEKT

Wenn wir über ein AkkusativOBJEKT im Satz sprechen, meinen wir ein direktes Objekt, Nur wenn wir ein direktes Objekt im Satz haben, muss das Reflexivpronomen im DATIV stehen.

Anders ist es, wenn wir einen Akkusativ nach einer Präposition haben. Dann ist dieser Akkusativ aber kein AkkusativOBJEKT.

Sehen wir uns zwei Beispiele an …

Ich rasiere mir die Beine.

Du freust dich auf den Urlaub.

Der erste Satz hat ein „normales“ AkkusativOBJEKT (die Beine). Es ist ein direktes Objekt. Deshalb muss das Reflexivpronomen im DATIV stehen.

Im zweiten Satz steht ein Akkusativ (den Urlaub) nach einer Präposition. Der Akkusativ ist also kein direktes Objekt. Wir haben kein AkkusativOBJEKT (direktes Objekt) im Satz, deshalb steht das Reflexivpronomen im AKKUSATIV.

Da viele reflexive Verben mit einer festen Präposition gebildet werden, sehen wir diese Verben oft mit einer Präposition und Akkusativ, der aber kein direktes Objekt ist.

… und wenn ein Dativobjekt folgt ???

Das Reflexivpronomen steht auch im AKKUSATIV, wenn ein Dativobjekt folgt, wie hier …

Ich widme mich oft meinem Hobby.

Das Objekt „meinem Hobby“ ist ein Dativobjekt, aber wir haben kein AkkusativOBJEKT im Satz. Deshalb steht auch hier das Reflexivpronomen im Akkusativ.

Diese Regel gilt auch in den seltenen Fällen, in denen ein Genitivobjekt folgt.

Änderungen bei der Bedeutung von Verben

Manchmal ist es möglich, dass ein Verb, das reflexiv gebrauht wird, eine andere Bedeutung als ein Verb hat, das nicht reflexiv gebraucht wird. Das Verb „umziehen“ ist ein solcher Fall, wie dieses Beispiel zeigt …

Peter zieht nach Köln um.

Peter zieht sich um.

Im ersten Satz bedeutet das nicht-reflexiv gebrauchte Verb „umziehen“, dass Peter nach Köln geht, um dort zu wohnen.

Im zweiten Satz drücken wir mit dem reflexiv gebrauchten Verb (sich) „umziehen“ aus, dass Peter seine Kleidung wechselt.

Auch kann sich die Bedeutung ändern, wenn wir das Reflexivpronomen im Akkusativ oder im Dativ haben. Ein gutes Beispiel dafür ist das Verb „sich vorstellen“. Hier zwei Beispiele …

Ich stelle mich dem neuen Chef vor.

Ich stelle mir meinen nächsten Urlaub sehr schön vor. 

Der erste Satz bedeutet, dass ich mich dem neuen Chef präsentiere, damit er mich kennen lernt.

Im zweiten Satz sage ich, dass mein nächster Urlaub sehr schön sein soll oder wird.



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