Theodor Fontane – vom Apotheker zum reisenden Autor

Theodor Fontane gehört zu den bedeutendsten Dichtern und Schriftstellern des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Sein wohl bekanntestes Werk ist der Roman Effi Briest, in dem er den Lebensweg eines 17-jährigen Mädchens beschreibt, das einen wesentlich älteren Mann heiratet, jedoch in dieser Ehe nicht glücklich wird, und nach einem Ehebruch in die Isolation gerät. Viele rechnen sein literarisches Wirken dem „literarischen Realismus“ zu.

Nach seiner Geburt am 30. Dezember 1819 in Neuruppin wächst Heinrich Theodor Fontane in einer Hugenottenfamilie als Sohn eines Apothekers auf und besucht 1832/33 das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Neuruppin, wonach er an die Gewerbeschule nach Berlin wechselt, um eine Ausbildung zu machen, die er 1836 jedoch abbricht. In der Folge beginnt Theodor Fontane eine Ausbildung zum Apotheker, die er 1839 erfolgreich abschließt.

Gemälde von Carl Breitbach, 1883         Quelle: http://www.zeno.org – Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

Jedoch schon in dieser Zeit interessiert sich der junge Fontane für das Schreiben und verfasst neben seiner beruflichen Tätigkeit als Apotheker erste Werke, etwa 1839 die Novelle Geschwisterliebe.

Zu Beginn der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts wechselt er aus beruflichen  Gründen nach Dresden, lebt aber später in Letschin, um  in der Apotheke seines Vaters zu arbeiten.

In dieser Zeit knüpft er erste Kontakte zur Literaturwelt. So tritt er, auf Anregung von Bernhard von Lepel, im Jahr 1844 in den Literaturverein „Tunnel über der Spree“ ein, in dem er bis 1865 Mitglied bleibt.

Nach seinem Militärdienst 1844/45 reist Theodor Fontane nach London, um eine Apotheke zu besuchen. Im Dezember 1845 geht er eine Verlobung mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Emilie Rouanet-Kummer ein, welche er schließlich im Jahr 1850 heiratet.

Nach seiner Approbation im Jahr 1847 für die Tätigkeit als Apotheker wechselt er mehrfach seine Arbeitsstellen in Apotheken und Krankenhäusern, engagiert sich im Vorfeld der Märzrevolution 1848 aber auch politisch. So nimmt er an Barrikadenkämpfen teil und veröffentlicht radikal-demomokratische Texte in der „Berliner Zeitungs-Halle“.

Vom Apothekter zum Schriftsteller

Im Jahr 1849 entschließt sich der Fontane schließlich dazu, seinen Beruf als Apotheker aufzugeben und sich nur noch der Schriftstellerei zu widmen. Noch im selben Jahr verfasst er politsche Artikel in der demokratisch orientierten Dresdner Zeitung, in denen er sich für die Abschffung der Monarchie zugunsten der Republik ausspricht. Etwa zeitgleich schreibt Fontane sein erstes Buch mit dem Titel „Männer und Helden: Acht Preußenlieder“. In dem Buch blickt er auf Preußens Geschichte zurück, indem er das Leben und Wirken von acht preußischen Armeekommandeuren schildert.

In der Folge siedelt er nach London über, um zunächst bei der „Centralstelle für Preßangelegenheiten“ und von 1855 bis 1859 als Korrespondent zu arbeiten, wobei sein Schwerpunkt auf den deutsch-englischen Beziehungen und der deutschen Geschichte und der Außenpolitik liegt. Bereits zu Beginn seiner Zeit in London ist bereits im Jahr 1854 sein Buch „Ein Sommer in London“ erschienen. Nach einer Reise durch Schottland lässt er 1860 seinen literarischen Reisebericht „Jenseits des Tweet“ folgen.

Politisch öffnet sich Theodor Fontane in jener Zeit konservativen Denkströmungen und arbeitet bis 1870 als Redakteur für die (eher konservative) „Neue Preußische Zeitung“, in der er sich meist über Themen mit Bezug zu Großbritannien äußert.

In den Jahren nach 1860 wendet er sich zunehmend dem Reisejournalismus zu. So schreibt er zwischen 1861 und 1889 einige Bücher über Reisen in mehrere Regionen von Berlin und Brandenburg. etwa „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, „Das Havelland“, „Das Oderland“ und „Fünf Schlösser“.

Theodor Fontane in der Zeit der deutschen Einigung

Die Jahre nach 1860 sind auch für Theodor Fontane politisch sehr bewegte Jahre, in denen Deutschland (teilweise durch Kriege) zu seiner Einheit findet und schließlich 1871 das Deutsche Reich entsteht. Theodor Fontane berichtet in dieser Zeit als Journalist vor Ort über den deutsch-dänischen Krieg (1864), den deutsch-österrechischen Krieg und den deutsch-französischen Krieg (1870/71).

Ab 1870 wird Theodor Fontane dann als Theaterkritiker für die Vossische Zeitung tätig und fördert dabei die literarische Stilrichtung des deutschen Naturalismus. Insbesondere dem Schriftsteller und Dramatiker, Gerhart Hauptmann, bringt er viel Begeisterung entgegen.

In den Jahren 1874 bis 1876 bereist er  mit seiner Frau Italien, Spanien und Österreich. In dieser Zeit entscheidet er sich auch dafür, nur noch seiner Tätigkeit als freier Schriftsteller nachzugehen. In seiner politischen Orientierung kehrt er wieder mehr zu liberalen Überzeugungen zurück.

Im Jahr 1878 erscheint sein vierteiliger Roman „Vor dem Sturm. Roman aus dem Winter 1812 auf 13“, ein historischer Roman, in dem Fontane sich literarisch mit der Zeit der Befreiungskriege auseinandersetzt.

1894 verleiht ihm die philosophische Fakultät der Berliner Universität den Titel des Ehrendoktors.

Mit der Autobiographie „Meine Kinderjahre“ verarbeitet der Schriftsteller 1894 eine seelische Depression und lässt diesem Werk im Jahr 1898 das Buch „Von Zwanzig bis Dreißig“ folgen.

Im Jahr 1897 erscheint schließlich sein letzter Roman „Der Stechlin“, der das Verhältnis von jungen und alten Menschen thematisiert.

Theodor Fontane stirbt am 20. September 1898 in Berlin.

Mehr Informationen über Theodor Fontane

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Mehr Biographien zu berühmten Deutschen findet ihr HIER oder im Menü unter BERÜHMTE DEUTSCHE.

 

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