Wann brauchen wir den Konjunktiv II ?

Der Konjunktiv II macht vielen, die Deutsch lernen, manchmal ein paar Probleme. Einige wissen nicht (gut), wann man ihn verwenden muss, andere haben Schwierigkeiten, den Konjunktiv II zu bilden. Einige wissen ja noch, dass der Konjunktiv II etwas mit „werden“ oder „würde“ zu tun hat, aber dann …?
Außerdem gibt es auch noch den Konjunktiv II der Vergangenheit.

In diesem Beitrag seht ihr, wann wir den Konjunktiv II in der deutschen Sprache brauchen.


Der Konjunktiv II für irreale Handlungen oder Situationen

Vielleicht habt ihr schon gehört, dass man den Konjunktiv II verwendet, wenn man über etwas Irreales spricht. Das bedeutet, dass man über Handlungen oder Situationen spricht, die nicht in der Realität passieren.

Wann können Situation oder Handlungen „irreal“ sein?

 

Wir bitten höflich um etwas …

Wenn wir ins Restaurant geht, bestellen wir das Essen oder die Getränke normalerweise in einer freundlichen, „höflichen“ Weise, wie beispielsweise in dieser höflichen Frage …

Könnten Sie mir bitte einen Kaffee bringen?

oder in diesen freundlichen Bitten …

Ich würde gerne einen Kaffee trinken.

Ich hätte gerne einen Kaffee.

Hier stehen die Verben im Modus des Konjunktiv II, weil der Sprecher den Kaffee im Moment des Sprechens noch nicht hat.

 

Irreale Bedingungen / irreale Voraussetzungen

Eine irreale Bedingung oder Voraussetzung ist etwas, dass NICHT passiert und deshalb auch etwas anderes NICHT passieren kann. Solche Situationen drücken wir in der deutschen Sprache auch mit dem Konjunktiv II aus, zum Beispiel in diesen Sätzen …

Wenn es regnen würde, würde ich ein Buch lesen.

…aber die Realität ist: Es regnet NICHT. Deshalb lese ich NICHT.

Wenn es wärmer wäre, würde Herbert an den See gehen.

…aber die Realität ist: Es ist NICHT so warm, deshalb geht Herbert NICHT an den See.

Diese Sätze mit irrealen Bedingungen funktionieren auch ohne den Konnektor „wenn“, beispielsweise so …

Würdees regnen, würde ich ein Buch lesen.

Wäre es wärmer, würde Herbert an den See gehen.

 

Ratschläge

Manchmal brauchen wir Hilfe von anderen Menschen, auch mit Ideen oder Ratschlägen. Diese drücken wir oft auch mit dem Konjunktiv II aus, wie in diesen Beispielen…

(Wenn ich an deiner Stelle wäre,) würde ich das Angebot deines Chefs akzeptieren.

(An deiner Stelle) würde ich das Sofa kaufen.

Die Beispiele können auch ohne den Ausdruck in Klammern stehen. Wir nehmen hier den Konjunktiv II, weil die Person, die den Ratschlag gibt, in der Realität nicht in der Situation der anderen Person ist. Sie simuliert also nur die Situation der anderen Person.

 

Wünsche

Wenn wir uns etwas wünschen, haben es wir es natürlich noch nicht und wollen es haben. Die Realität ist also, dass wir etwas nicht haben, was wir haben wollen.

Zwei Beispiele dazu …

Wenn wir doch bloß ein größeres Auto hätten !

Wenn ich doch nur besser in Deutsch wäre !

Wir sehen, dass die Wünsche meistens Ausrufe (mit Ausrufezeichen) sind und oft verstärkende Partikel, zum Beispiel „doch bloß“ oder „doch nur“ verwendet werden.

Auch diese Sätze sind ohne „wenn“ möglich:

Hätten wir doch bloß ein größeres Auto !

Wäre ich doch nur besser in Deutsch !


Für die Grammatik …


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Irreale Vergleiche mit „als ob“

Mit irrealen Vergleichen bilden wir Hypothesen, wie eine Situation/Handlung wäre, wenn es eine andere Situation oder Handlung geben würde (gäbe). Wie benutzen dabei oft den vergleichenden Konnektor „als ob“, wie in diesem Beispiel …

Matthias gibt so viel Geld aus, als ob er Millionär wäre.

… aber die Realität ist: Matthias ist kein Millionär.

Diese Variante ist auch ohne „ob“ möglich. Dann wird aus dem Nebensatz ein Hauptsatz

Matthias gibt so viel Geld aus, als wäre er Millionär.

 

Zweifel und Vermutungen

Da auch Vermutungen wie auch Zweifel nicht immer die Realität zeigen oder sich auf irreale Möglichkeiten beziehen können, kann man auch hier den Konjunktiv II nehmen, wie in diesen beiden Beispielen …

Es könnte sein, dass es heute noch regnet.

… Aber sicher ist das nicht, weil es im Moment NICHT regnet. Es ist also eine Vermutung oder Spekulation, dass es später regnet.

Wo könnte ich in dieser Stadt eine Arbeit finden?

Durch das Modalverb „könnte“ (Form von können im Konjunktiv II) drückt der Sprecher einen Zweifel aus, ob er eine Arbeit finden kann.


 

 

 

 

 

 

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